Welch grossartige Idee (suisse)! Wie NZZ Online schreibt, macht der Landessender das Kirchenglockengeläut von hüben und drüben für alle Glockenfanatiker via Internet jederzeit hörbar.
Damit könnte man doch jetzt ENDLICH dem Glockenterror in Zürich (vor allem jenem zu nachtschlafener Zeit) ein Ende bereiten, ja?
Und das hier ist besonders selig:
In dem 76-seitigen Dokument «Spe salvi» (Gerettet durch Hoffnung oder in der Hoffnung), das am Freitag veröffentlicht wurde, kritisierte der Papst den modernen Atheismus, der «zu den schlimmsten Formen der Grausamkeit und Verstössen gegen die Gerechtigkeit» geführt habe. [...]
«Eine Welt gezeichnet von so viel Ungerechtigkeit, unschuldigem Leid und Zynismus der Macht kann nicht das Werk eines guten Gottes sein», schrieb der Papst.
Gelesen auf NZZ Online
Hm. Ist das jetzt metazynisch, wenn die katholische Kirche als Erfinderin des Kreuzzugs und der Heiligen Inquisition den Atheismus als Wurzel von «Grausamkeit und Verstössen gegen die Gerechtigkeit» bezeichnet?
Na das kann ja heiter werden:
The proportion of the world's population attached to the four biggest religions—Christianity, Islam, Buddhism and Hinduism—rose from 67% in 1900 to 73% in 2005 and may reach 80% by 2050. Fundamentalist versions of religions are doing best.
Gelesen auf Economist.com
Zum Glück gibt es noch Menschen, die erkennen, wovon unsere heil(ig)e Schweiz wirklich bedroht wird! Seien wir einmal ehrlich: Das Problem ist doch einfach der Islam. Und wer hat dies gerade noch rechtzeitig bemerkt, wereliwer? Natürlich Christian Waber Superstar, Kämpfer-an-vorderster-Front gegen alles Aufgeklärte, Liberale, Homosexuelle, Blutsaugende – bref: gegen alles Nicht-Christlich-Fundamentalistische. Aus diesem Grund will Herr Waber zusammen mit Herrn Schlüer und anderen eine Volksinitiative gegen Minarette lancieren und somit die Bedrohung im Keim ersticken. Denn Herr Waber weiss:
Der Islam sei keine Religion, sondern eine Kriegserklärung an die christliche und andersgläubige Welt, sagte EDU-Nationalrat Waber.
Aber nicht dass Sie jetzt denken, Herr Waber hätte etwas gegen Andersgläubige! (Herr Waber hat ja zum Beispiel auch nichts gegen Schwule, er findet einfach, es sollte keine geben.) Denn:
Das Initiativkomitee befürworte die Glaubens- und Religionsfreiheit. Aber es lehne Machtansprüche und Unterwanderung des religiösen Friedens und der religiösen Toleranz ab.
Gelesen auf NZZ Online
Ein dreifaches (-faltiges?) Hoch also auf Herrn Waber und sein Christentum, der Religion mit der Extraportion Toleranz und Nächstenliebe!
Aus aktuellem Anlass: einer meiner Lieblings-Comics von Andy Fischli.
Was wären die Religionen doch ohne ihre Legenden und wundersamen Geschichten. Die katholische Kirche ist soeben um eine besonders anrührige reicher geworden: jene der Parkinson-kranken französischen Ordensschwester Marie-Simon-Pierre, die den verstorbenen Johannes Paul II. um Hilfe angefleht hatte, worauf dieser sie – Hokuspokus! – kurzum von ihrer Krankheit erlöste.

Also ich finde, er hätte ihr bei der Gelegenheit auch gleich noch die Zähne etwas richten können...
Endlich hat jemand erkannt, was verantwortlich ist für all die Probleme mit Gewalt und Drogen in unserer Gesellschaft: Der schrankenlose Handel mit Seelen (also wieder mal diese Neoliberalen)! Gegen den Seelenverkauf muss jetzt endlich etwas unternommen werden!
Mit über 49'000 Unterschriften hat die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) ihre Petition gegen den Beitrag der Schweiz zum Eurovision Song Contest im Bundeshaus eingereicht.
Die EDU verlangt vom Bundesrat, dass der Song «Vampires are alive» von DJ Bobo zurückgezogen wird und fordert einen Beitrag mit einer positiveren Botschaft. Nicht zuletzt die Jugend habe eine bessere Botschaft verdient, sagten EDU-Vertreter vor den Medien. Der Vampir-Song verletze die religiösen Gefühle. Zeilen wie «Verkaufe deine Seele» seien inakzeptabel und wirkten sich negativ auf die Gesellschaft aus, was sich in der Gewalt oder bei Drogenproblemen manifestiere.Zu lesen auf NZZ Online
Schon erstaunlich, wie Politiker und Parteien in Wahljahren an breiter Front vom Schwachsinn befallen werden. (Gut, im vorliegenden Fall ist der Schwachsinn wohl inhärent...) Keine Initiative zu unausgegoren, kein Vorstoss zu unbedeutend, keine Petition zu grotesk, um eingereicht zu werden.
Post scriptum: Hm, vielleicht könnte das Parlament den Bobo-Song ja in einer dringlichen Sitzung einem gutschweizerischen Kompromiss zuführen: Wie wär’s mit «Vampires are alive dead»? Huhuu...
Normalerweise hätte ich als Atheist den Artikel einfach reflexartig überblättert. Doch irgendwie hab ich «Der Ewige und die Ewige» von Ingolf U. Dalferth in der Samstagsausgabe der NZZ dann doch gelesen, und das ist gut so, denn der Text ist ein richtiger Brüller.
Es handelt sich um die Kritik einer neuen, «gerechten» (d.h. politisch korrekten) Bibelübersetzung.
Fünf Jahre lang hatten 52 Frauen und Männer beider Konfessionen mit kräftiger Unterstützung durch die evangelische Kirche in Hessen und Nassau und anderer kirchlicher Kreise die Bibel in einem aufwendigen Prozess neu übersetzt.
Die Ziele hierbei waren offenbar eine «‹geschlechtergerechte Sprache›, ‹Gerechtigkeit im Hinblick auf den christlich-jüdischen Dialog› und ‹soziale Gerechtigkeit›». Das ist natürlich schon im Ansatz doof, denn:
Kein Text der Bibel wurde in der Absicht verfasst, geschlechtergerecht, antidiskriminatorisch und frei von Antijudaismus zu sein. Diese Texte entstammen Zeiten, die von anderen Anliegen bewegt waren. Die Bibel ist durchzogen von tiefen Spuren innerer Spannungen, Entwicklungen und Neuentdeckungen, die sich nicht gesinnungsgerecht harmonisieren lassen. Eine sachgerechte Übersetzung darf das nicht verwischen. Sie muss es gerade deutlich machen, um eine kritische Auseinandersetzung zu ermöglichen.
Nun ist es mir als unbeteiligter Dritter natürlich gänzlich wurscht, wer die Bibel aus welchen Gründen wie übersetzt, und drum lehne ich mich einfach zurück und geniesse die Höhepunkte aus dem Artikel (werter Leser, falls Sie nicht die gleiche Distanziertheit zu genanntem Buch besitzen, dürften Sie sich beim Lesen selbstverständlich ärgern oder freuen, ganz wie Sie wollen):
An allen möglichen und unmöglichen Stellen wird die Textvorlage geschlechtergerecht erweitert. Ohne Rücksicht auf historische Realitäten gibt es jetzt «Hirten und Hirtinnen», «Verwalter und Verwalterinnen», «Pharisäerinnen und Pharisäer», «Zöllnerinnen und Zöllner». Nicht nur der kluge Mann baut sein Haus auf den Felsen, sondern die kluge Frau und der vernünftige Mann. Das Liebesgebot lautet nicht mehr, seinen Nächsten zu lieben, sondern seine Nächste und seinen Nächsten. Aus den wenigen Hinweisen auf eine Prophetin (Hulda), eine Richterin (Debora), eine Apostelin (Junias) und einige Jüngerinnen wird eine generelle Regel konstruiert, überall mit Frauen zu rechnen, wo ihre Anwesenheit nicht ausdrücklich ausgeschlossen wird.
(Dass nicht von Verwaltenden oder Zollpersonen die Rede, muss man wahrscheinlich schon als beachtliche Leistung einstufen...)
Das eröffnet grossartige Möglichkeiten. Die Apostelgeschichte wird unter Berufung auf Römer 16, 7 zur «Zeit der Apostelinnen und Apostel», obwohl das Buch selbst neben den Zwölfen nur Paulus und Barnabas als Apostel bezeichnet. Aus den Schriftgelehrten und Pharisäern auf dem Lehrstuhl Mose (Mt 23, 2) werden «toragelehrte und pharisäische Leute», aus den als Heuchler beschimpften Schriftgelehrten und Pharisäern die «Scheinheiligen unter den toragelehrten und pharisäischen Männern und Frauen» (Mt 23, 25). [...]
Werden an diesen und ähnlichen Stellen die Texte ohne Not erweitert und ausgedeutet, so werden sie an anderen gezielt umgedeutet. So sagt der johanneische Jesus «Ich bin der wahre Weinstock, und Gott ist meine Gärtnerin», obwohl im griechischen Grundtext klar «Mein Vater ist der Weingärtner» steht. Der Johannesprolog beginnt nicht mehr mit «Am Anfang war das Wort», sondern mit «Am Anfang war die Weisheit», weil «der johanneische Jesus . . . auch viele Züge der weiblichen göttlichen Gestalt der Weisheit» trage. Der Heilige Geist wird zur «heiligen Geisteskraft», Jesus vom Sohn zum neutralen «Kind Gottes».
Diesem bornierten Kampffeminismus ist offenbar gar nichts mehr heilig. Wobei, so wirklich konsequent neutral ist das ja noch nicht, denn dann müsste es doch Jesum heissen... nicht?
Selbst die Propheten Israels müssen [vor dem Antijudaismus-Vorwurf] in Schutz genommen werden. Weil die Rede vom Ende Israels tabu ist, darf Amos nicht mehr sagen «Reif zum Ende ist mein Volk Israel» (Am 8, 2), sondern nur noch «Reif ist mein Volk Israel». Doch der hebräische Text spricht nicht von «reif», sondern vom Ende, und zwar im Rahmen eines Klang-Wortspiels zwischen Ende (qez) und Sommer (qajiz), das die Lutherbibel und die Einheitsübersetzung mit der Sprachanalogie zwischen «reifem Sommerobst» und «reif zum Ende» nachzubilden suchen. Schon die Rede vom Ende Israels aber scheint den Neuübersetzern verdächtig, und so wird der Text gegen seine ausdrückliche Aussage entschärft.
Schliesslich und vor allem aber geht die Übersetzung auf schlechterdings unverantwortliche Weise mit den biblischen Gottesbezeichnungen um. Weil der Gottesname Jahwe (das Tetragramm) seit biblischer Zeit von orthodoxen Juden aus religiöser Scheu (und nicht etwa, weil er «unaussprechbar» wäre) nicht mehr ausgesprochen wird, wird er auch in dieser Übersetzung gemieden und durch wechselnde andere Bezeichnungen ersetzt: «der Ewige, die Ewige, Schechina, Adonaj, ha-Schem, der Name, Gott, die Lebendige, der Lebendige, Ich-bin-da, ha-Makom, Du, Er Sie, Sie Er, die Eine, der Eine, die Heilige, der Heilige». Nur «Herr» oder «Kyrios», im antiken Judentum, in der Septuaginta und im Neuen Testament die gängigen Gottesbezeichnungen, werden aus durchsichtigen Gründen erst gar nicht mehr erwähnt.
Welche Variante aus dieser Palette in der Übersetzung jeweils gewählt wird, hat nichts mit dem Ausgangstext zu tun, sondern wechselt in völliger Willkür. Diese wird dadurch noch unterstrichen, dass in der Kopfzeile der jeweils linken Seite eine beliebige Auswahl aus der Variantenliste geboten wird, die man nach Belieben anstelle des gedruckten Vorschlags wählen kann.
Mit Amüsement gelesen in der NZZ vom 18. November 2006
Ob soviel Selbstkastration kann meiner einer bloss vergnügt schmunzeln. Dennoch stellen sich natürlich auch ein paar Fragen. Zum Beispiel: Ist einer von den zwölf Jüngern bald ein Quotennegerli? Trägt Jesus bald Zapfenlocken? Vor allem aber: Ist dies jetzt das neue Selbstbewusstsein, mit dem das Christentum auftreten will?
Das 20minuten weiss ja stets Spannendes (und Wichtiges!) zu berichten. So auch heute:
Skurriles Wunder: Ein Jesus-ähnliches Bild hat das Leben einer Österreicherin verändert – einer Bratpfanne sei Dank.
So geschehen vor knapp einem Jahr in Villach im Bundesland Kärnten. Die Hausfrau wollte gerade die Kupferbratpfanne waschen, in denen sie zuvor Bratwürste gebraten hatte, als ihre kleine Tochter begeistert rief: «Mutti, Mutti, da ist ja der Herr Jesus abgebildet.» Und siehe da: Mit einiger Fantasie war der Kopf Jesu zu erkennen. Offensichtlich war noch Fett auf der heissen Herdplatte, das sich während des Würstebratens zufällig in Form eines Kopfes in den Boden der Pfanne einbrannte.
Für die Österreicherin war das aber alles andere als ein Zufall. «Ich hab mich sogar an einen Kapuzinerpater gewendet, auch der sah es als ein Zeichen des Himmels», erklärte sie der Tageszeitung «Österreich». Klar, dass die Wunderpfanne einen Ehrenplatz in der Stube erhielt. «Dem Mann am Pfannenboden verdanke ich mein Leben», glaubt die Katholikin und ist sich sicher, dass der Anblick des Gesichtes sie dazu inspiriert hat, einen Arzt aufzusuchen. «Der stellte bei mir dann Krebs im Anfangsstadium fest, ich wurde noch rechtzeitig operiert.»
Und als sie Anfang August vom Spital nach Hause kam, erlebte sie ein zweites Wunder. Dem Blatt sagte sie: «Als ich ins Wohnzimmer trat und auf die Bratpfanne guckte, war das Bild vom Jesus verschwunden.»
Quelle: 20minuten vom 6. Oktober 2006
Ein Jesus auf der Pfanne? Das ist doch noch gar nichts! Eine Jesus-Pfanne hab ich selber auch:

Daneben aber auch noch ein Maria-Tischbein...

... und auf der Sohle meines rechten Adidas Kick hab ich neulich gar das Letzte Abendmahl entdeckt:

Dass mir jetzt aber keiner auf die Idee kommt, zu mir zu pilgern, gell?
Heute gelesen auf NZZ.ch:
Der Zürcher Kantonsrat will ein Bauverbot für Minarette prüfen. Er hat am Montag eine Parlamentarische Initiative der SVP knapp mit 62 Stimmen vorläufig unterstützt. Nötig dazu waren 60 Stimmen. Neben der SVP stimmten EDU und SD dafür.
Die SVP verlangt eine Ergänzung des kantonalen Planungs- und Baugesetzes (PBG), wonach keine Baubewilligungen für Gebäude mit Minarett erteilt werden können. [...] Es solle nicht generell der Bau und der Umbau von Bauten mit religiöser Architektur untersagt werden, hiess es von der SVP. Vielmehr gehe es um die Bewahrung und den Schutz des Orts- und Landschaftsbildes vor störenden religiösen Bauten.
Aber natürlich... Beinahe möchte man dem islamophoben Trio zurufen: Lasst euch doch wenigstens eine etwas weniger fadenscheinige Begründung einfallen. Danach wird’s allerdings tatsächlich noch etwas konkreter:
Ein grosser Teil der nichtmuslimischen Bevölkerung empfinde die Minarette als Provokation. Die Türme der Moscheen illustrierten «den Anspruch des Islam, als einzig wahre Religion die anderen religiösen Bauten zu überragen» und gälten als «Symbol für die Eroberung eines Gebietes», argumentierte die SVP.
Ah ja. Im Gegensatz dazu stehen die phallischen Kirchtürme (jener des Berner Münsters zum Beispiel: 101m hoch) wohl für Bescheidenheit und Demut, was? Doch es kommt noch besser:
Unterstützung erhielt die SVP von den zwei EDU- und SD-Mitglieder. Der Islam sei die grösste Gefahr für die westliche Welt, das Minarett-Verbot deshalb angebracht, sagte der Schweizer Demokrat. Auch die EDU beobachte die zunehmende Islamisierung mit grosser Sorge, sagte ihr Ratsvertreter.
Mhm. Muss ja wirklich eine riesige Gefahr sein, dieser Islam, wenn er mit dem Verbot von Minaretten zurückgedrängt werden kann...
Im Übrigen: Ich hoffe sehr, dass das Statement der FDP gekürzt wurde, denn wenn das alles ist, was sie dazu zu sagen hat, nun, das wäre schon fast peinlich:
Die FDP warnte davor, dass – je nach politischer Einstellung – künftig mit dem Verweis auf das öffentliche Interesse auch Bauverbote für weitere Gebäudekategorien gefordert werden könnten, so auch gegen Luxusbauten oder Asylbewerberheime.
Quelle: NZZ Online, 4. September 2006
Verbot von Minaretten? Das wäre ja echt bedenklich bis skandalös. So nach dem Motto: Religionsfreiheit für alle! (Subskript: die der richtigen Religion angehören...) Gerade in solchen Momenten bin ich immer wieder froh, dass ich Atheist bin. Denn: Religion ist doof.
Und zum Schluss noch dies: Wenn wir schon dabei sind, dann verbieten wir aber doch bitte auch gleich die Kirchtürme. Das ständige Gebimmel geht mir nämlich gehörig auf den Sack.
Das Geschreibsel eines in Zürich wohnhaften, berndeutsch- sprachigen Gelegenheitsbloggers so um die dreissig mit einer kaum zu leugnenden Affinität zu allerhand -ismen. Wer’s genauer wissen will, schreibt an juriÄTsarbachDOTcom.
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