Welch grossartige Idee (suisse)! Wie NZZ Online schreibt, macht der Landessender das Kirchenglockengeläut von hüben und drüben für alle Glockenfanatiker via Internet jederzeit hörbar.
Damit könnte man doch jetzt ENDLICH dem Glockenterror in Zürich (vor allem jenem zu nachtschlafener Zeit) ein Ende bereiten, ja?
Dass Ned Davis Research hanebüchene «Erkenntnisse» der ohnehin verblödenden Finanzbranche für teures Geld verkauft, ist das eine.

Aus der NZZ vom 16. Februar 2009
Dass jedoch die Qualitätszeitung diesen ausgemachten Unsinn, der Ökonometrikern die Haare zu Berge stehen lässt, auch noch abdruckt, ist doch ein wenig gar bemühend.
Naaa, da hat wohl jemand das Konzept der Marktwirtschaft nicht ganz verstanden?
Gut, wenn man für den Tagi schreibt, muss man das natürlich auch nicht...
Eine glatte Sache, wenn man den Tag mit einer Slapstick-Einlage beginnt, weil sich der Winterdienst offenbar heute morgen gesagt hatte: «Was Winter? Es ist Frühling.» Nun ja. Das stimmt natürlich. Rein technisch gesehen. Trotzdem fragte ich mich, ob es denn zuviel Service public verlangt wäre, wenn der Winterdienst seinem Dienst nicht nur im Winter, sondern bei Bedarf auch im Frühling nachkäme. Lebte ich in einer Randregion, könnte ich jetzt beim Bundesrat vorsprechen, und der Staat würde gütig seine Salzschleusen öffnen. Doch, finde ich, sollte man dies eigentlich auch von einer Nicht-Randregion wie der Stadt Zürich erwarten dürfen, zumal ich dieser erst gerade gestern meine Steuern erklärt habe, und ich werde den Verdacht nicht los, dass man von meinem diesjährigen Steuergeschenk an den Staat nun doch ein paar Säcklein Salz kaufen können sollte, genug zumindest, um den Weg von meiner Wohnung bis zur Tramhaltestelle zu enteisen, so dass ich nicht auf den Latz fliege und schon gar nicht mehrmals.
So. Und jetzt bitte Frühling.
Gestärkt durch einen Espresso, nahm ich mir heute morgen zum allerletzten Mal die Zeit, das EO-Formular für meine allerletzte Militärdienstleistung auszufüllen. Und nachdem ich den Wisch an der dafür vorgesehenen Stelle mit meiner Unterschrift verziert hatte, las ich einen Abschnitt weiter unten das:

Den Arbeitgebenden?? Ich dachte immer, die Idee hinter dem flächendeckenden Partizipeinsatz heutzutage sei es, den sich in jedem generischen Maskulinum manifestierenden männlichen Chauvinismus, der die Befreiung der Frau aus der Unterdrückung aufgrund einer von Männern als Macht- und Diskriminierungsinstrument geschaffenen Sprache verhindert, an der Wurzel zu packen und so die Welt zu einem lebenswerten Ort auch für Frauen zu machen?
Vielleicht sollte ich besser die Gleichstellungsbehörde einschalten.
Läck. Jetzt geht es im Bundeshaus bei Personalentscheiden schon fast so politisch zu und her wie bei einer Schweizer Bank.
Heute morgen war mir im Büro ständig fad, weil ich immer wieder warten musste, bis Matlab fertig gerechnet hatte. Also las ich, um mir die Zeit zu vertreiben, das Internet. Nur partiell natürlich, denn sooo langsam ist mein Computer dann auch wieder nicht. Ich las ein bisschen hier und da. Und dann las ich auch noch die Online-WOZ. (Waasss?? Die WOZ??) (Jaaa, die WOZ. Herrgott, ja.) Wiederum nur partiell. Also eigentlich nur den einen Artikel, auf den ich über einen Link hier gestossen bin. Nämlich den: «Dafür gibts was auf die Pfoten» mit dem packenden Lead: «Keine Gnade für Raucher, Kifferinnen und ‹Dopingsünder›: Im Neoliberalismus geht die wirtschaftliche Freiheit auf Kosten der Freiheit der BürgerInnen.» Ich fand, das töne vielversprechend, und war sehr gespannt, zu erfahren, was Rauchverbote und Neoliberalismus miteinander zu tun haben.
Ich las also und las und las. Über das Revival der Prohibition und über Paternalismus, was ich durchaus ganz okay fand, gerade auch vor dem Hintergrund des lächerlichen Parlamentsentscheides zur Hanfliberalisierung vorgestern. Bloss: wo blieb der Neoliberalismus? Weit und breit nichts von ihm zu lesen. Doch dann, im allerletzten Abschnitt – fast wäre es vergessengegangen! – Auftritt Neoliberalismus:
Süchtige als Kranke zu behandeln, ihnen beizustehen, statt sie zu verfolgen, ist mit dem neoliberalen Zeitgeist nur schwer vereinbar.
Ach so. Der Zeitgeist also. (BTW: wie sieht der Zeitgeist eigentlich aus? So vielleicht?)

Was noch?
Denn das Persönlichkeitsideal des Neoliberalismus verlangt von den MarktakteurInnen nicht nur, mobil und flexibel zu sein, sie sollen auch fit sein und vor Lastern zurückschrecken. Notfalls muss man sie dazu zwingen.
Ah, stimmt ja: Staatlicher Zwang ist ja geradezu das Grundkonzept des liberalen Gedankenguts, n’est-ce pas?
Hm. Reichlich enttäuschend, irgendwie. Letzen Endes nicht mehr als ein weiteres Pamphletchen, das den «Neoliberalismus» als bewusst diffusen Begriff kultiviert, um ihn nach Belieben für so ziemlich alles Ungute in der heutigen Zeit verantwortlich machen zu können. Jetzt sogar für den Paternalismus, der Raucher nicht mehr paffen lässt. Ziemlich belanglos also.
Ach. Ich brauche dringend einen schnelleren Computer.
Eigentlich, so scheint mir, hat so eine Erkältung lauter Vorteile. Etwa den, dass man den perfekten Vorwand hat, keinen Sport zu machen. Dass man überhaupt gute Vorwände hat, allerhand Dinge nicht zu machen, auf die man keine Lust hat. Oder dass man sich im Tram keine Sorgen zu machen braucht, dass man von erkälteten Mitpassagieren angesteckt wird. Oder dass man die ganze Zeit in der Caféteria rumlümmeln und Tee trinken kann, bevor man sich dann am Abend etwas früher als üblich aus dem Büro stiehlt. Vor allem aber: dass man sich mit Vicks MediNait volllaufen lassen kann. Eine wunderbare Sache, dieses MediNait (zugegeben, der Name ist ein wenig, nun ja, dümmlich). Und so lecker. So wahnsinnig lecker. Und so alkoholhaltig. Und nebenbei so wirksam. Wirksamer ist wahrscheinlich nur Marshall; dies allerdings gegen den Dickmaulrüssler. So. Ich gönne mir jetzt noch einen Schluck, und dann bin ich morgen wieder fit. Verflucht!
Trouvaille des Tages:

30 Rezepte, mit 3 Ausstechförmchen
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Das Geschreibsel eines in Zürich wohnhaften, berndeutsch- sprachigen Gelegenheitsbloggers so um die dreissig mit einer kaum zu leugnenden Affinität zu allerhand -ismen. Wer’s genauer wissen will, schreibt an juriÄTsarbachDOTcom.
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