Leider muss bekanntlich jedes Sozialwerk zuerst finanziell an die Wand gefahren werden, bevor ernstzunehmende Reformen an die Hand genommen werden (obwohl die Probleme lange, lange im voraus absehbar waren); das ist bei der IV so, das wird bei ALV und AHV so sein und erst recht beim Gesundheitswesen.
Der Schock über die angekündigte Erhöhung der Krankenkassenprämien hat wenigstens bei den Bundesparlamentariern etwas Positives bewirkt - die Einsicht ins eigene Versagen. Statt blosser gegenseitiger Schuldzuweisungen brachte die Debatte zur Gesundheitspolitik so etwas wie ein kollektives mea culpa hervor. Der Hauptschuldige an der desolaten Situation ist nämlich nicht der Bundesrat, auch wenn er sich bequem als Zielscheibe anbietet. Schuld ist in erster Linie das Parlament, das sich in geradezu frivoler Weise zum Transmissionsriemen der konkurrierenden Interessen von Ärzten, Versicherern und «Konsumenten» degradiert und dabei selber blockiert hat. Der rasante Prämienanstieg ist somit eine Art Bumerang der politischen Untätigkeit.
[...] Zu viele Jahre wurden bisher mit Worten statt Taten vergeudet. Wenn die Politik sich nun aufraffen würde, von der Symptom- zur Ursachenbekämpfung überzugehen, könnte aus dem Scherbenhaufen doch noch etwas Brauchbares entstehen [...]
Schreibt rom. in der NZZ vom 11. Juni 2009
Womöglich wird man dem vielgescholtenen Gesundheitsminister also einst rückblickend ein Kränzchen winden müssen, weil er mit dem Abbau der Reserven listig einen Prämienschock herbeigeführt hat, der den Druck auf das unfähige Parlament so erhöht, dass es seine mangelnde Kompromissfähigkeit und vor allem krude Partikulärinteressenvertretung – hoffentlich! – überwindet, bevor das Gesundheitssystem ultimativ aus dem Ruder läuft.
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Das Geschreibsel eines in Zürich wohnhaften, berndeutsch- sprachigen Gelegenheitsbloggers so um die dreissig mit einer kaum zu leugnenden Affinität zu allerhand -ismen. Wer’s genauer wissen will, schreibt an juriÄTsarbachDOTcom.
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