18. November 2008 · 22:57 ····

arithmetische nullnummer

Nicht totzukriegen: die beliebte Selbsttäuschung jener, die über den Wahlerfolg der SVP vor einem Jahr frustriert sind, heute vorgetragen in einem Leserbrief in der NZZ von Josef Lang (St. Niklausen):

Die SVP brüstet sich gerne als wählerstärkste Partei unseres Landes und erweckt dabei oft den irreführenden Eindruck, sie vertrete 30 Prozent der Bevölkerung unseres Landes. Da aber leider nur etwa 50 Prozent unserer Bevölkerung von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen und nur 30 Prozent davon SVP wählen, ergibt das nur 15 Prozent Anteil an der wahlberechtigten Bevölkerung.

Fein, und was gewinnen wir, wenn wir die Wähleranteile sämtlicher Parteien mit 0.5 multiplizieren? Nullkommanichts; die SVP bleibt die wählerstärkste Partei. Die Aussage «ergibt das nur 15 Prozent Anteil an der wahlberechtigten Bevölkerung» unterstellt, dass die schweigenden 50 Prozent allesamt SVP-Gegner seien; das ist grober Unfug (wenn nicht gar «irreführend»).

Dies soll kein politisches Statement sein, sondern bloss die Absurdität dieser Art von Zahlenakrobatik betonen. Man mag den hohen Wähleranteil der SVP begrüssen oder auch nicht (ich persönlich bin nicht sehr angetan davon). Aber kleinrechnen lässt er sich nicht.

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9. November 2008 · 23:30 ····

analyze this

Schon wieder nur ein Lesetip für Sie (ich bin selber im Moment etwas schreibfaul, wissen Sie) – wobei «nur» nicht ganz angemessen ist, immerhin handelt es sich um die bislang – wie ich finde – mit Abstand gelungenste Analyse der Finanzkrise. (Falls Sie das überhaupt noch interessiert.) Geschrieben von Wernhard Möschel. Zu lesen hier: Teil 1, Teil 2.

26. Oktober 2008 · 23:39 ····

zu risiken und nebenwirkungen...

Leseempfehlung für alle Polemik-Aficionados: ein sachlicher Diskussionsbeitrag zum Thema Managerlöhne und deren Regulierung.

Na dann lesen Sie mal schön. Ich gehe jetzt schlafen.

23. Oktober 2008 · 20:23 ····

behinderte werbung

Was braucht eine hochverschuldete Sozialversicherung wie die IV am allerallerdringendsten? Genau: Werbung! Zum Beispiel in Form halbseitiger Inserate in der NZZ und dem Vernehmen nach auch in Form von Fernsehspots.

Behinderte Werbung

Und während das Stereotyp Manager gegenwärtig landauf, landab aufgefordert wird, seinen Bonus (ja, das Wort gibt’s auch im Singular) wegen begangener Fehlleistungen zurückzubringen, muss das Beamtengenie, das diese Verschwendung öffentlicher Gelder zu verantworten hat, mit Sicherheit keinen Centime an irgendetwas bezahlen...

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21. Oktober 2008 · 23:05 ····

diesseits von eden

Jippie, jetzt ist es offiziell: Das internationale Kartell der Hochsteuerländer hat der Schweiz die Auszeichnung «Steuerparadies» verliehen! Vielen Dank – damit dürfte nun auch noch der Hinterste und Letzte erfahren haben, wo sein Vermögen noch ein bisschen Privatsphäre geniesst. Na dann bringet mal schön her eure Millionen.

Und so nebenbei fällt mir ein: wäre wohl ein guter Zeitpunkt, das Zinsbesteuerungsabkommen mit der EU zu sistieren; als Steuerparadies sollte man nun wirklich nicht Verrechnungssteuern für andere eintreiben müssen...

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20. Oktober 2008 · 23:00 ····

kein empfang

Tja, das ist eindeutig der Nachteil bei Marionetten: Manchmal sind einfach die Strippen zu kurz.

Die SVP gab sich zum Rettungsplan für den Finanzplatz bisher eher kleinlaut, weil sie [...] wegen der längeren Abwesenheit von Christoph Blocher in den USA bisher auch nicht recht weiss, wie sie in dieser Frage agieren soll.

Gelesen in der NZZ vom 20. Oktober 2008

Jaah, also die Oppositionrolle scheint noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen zu sein. Das müssen wir noch etwas üben, liebe SVP. Harr harr.

11. Oktober 2008 · 17:39 ····

krisengewinnler

Erbärmlich, wie sich die Gewerkschaft Unia in Schadenfreude suhlt und sich in bester SVP-Manier des Populismus’ bedient, um ihre rückwärtsgerichtete Ideologie an den Mann zu bringen.

In einer Resolution «für eine bessere Wirtschaftsordnung» fordert der Unia-Kongress einschneidende Massnahmen, um die Realwirtschaft vor der entfesselten Finanzindustrie zu schützen. Dazu gehören für die Unia etwa Verbote derivativer Geschäfte, neue Regulierungen für Pensionskassen, neue Steuern für «Abzocker-Einkommen» und eine limitierte Maximaldifferenz zwischen tiefen und hohen Einkommen.

Gähn. Fehlt nur eigentlich noch die übliche Breitseite gegen niederträchtige Spekulanten und Hedge-Fund-Heuschrecken, die ja ohnehin immer an allem schuld sind. Derivate verbieten zu wollen, zeugt von extrem viel ökonomischem Sachverstand; genauso gut könnte man ein Verbot von Autos fordern, weil es jährlich unzählige Verkehrstote gibt. Aber gut, was will man von einer Organisation erwarten, für die das Wirtschaftssystem an den Fabriktoren und Baustellenabschrankungen aufhört.

Für Paul Rechsteiner, Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, besteht die Reaktion auf das «Scheitern des Neoliberalismus» in einer Rückkehr zur staatlichen Versorgung und Vorsorge. Rechsteiner fordert vom Staat ein ausserordentliches Investitionsprogramm. Billiges Geld dafür sei da, behauptete er, und es gebe keinen besseren Schuldner als den Staat. Statt mit Steuergeld Löcher bei den Banken zu stopfen, müsse dieses im öffentlichen Interesse investiert werden.

Jawoll, immer feste drauf. Dass hierzulande noch kein einziger Steuerfranken aufgewendet wurde, um «Löcher bei den Banken zu stopfen», braucht einen Populisten wie Rechsteiner ja nicht weiter zu stören. Mit Ernsthaftigkeit und Redlichkeit ist der Präsident des Gewerkschaftsbundes offenbar lediglich auf lexikalischer Basis vertraut.

Für Rechsteiner heisst die Antwort auf das Fiasko der Finanzmärkte nicht mehr Markt, sondern eine Rückkehr zur Verstaatlichung der Infrastrukturen.

Zu lesen in der NZZ vom 11. Oktober 2008

Tja. Es war zu befürchten: Der grösste langfristige Schaden, den die gegenwärtige Krise hinterlässt, wird wohl ein ordnungspolitischer Flurschaden sein. Schon lange war es nicht mehr so leicht, mehr staatliche Eingriffe und Bürokratie zu fordern. Freilich: Was geschehen ist, kommt gewissermassen einer Bankrotterklärung des bestehenden Systems gleich; ohne staatliche Feuerwehrübungen wäre das grenzüberschreitende Finanzsystem wahrscheinlich längst implodiert. Dass regulatorische Korrekturen nötig sind, lässt sich daher kaum bestreiten. Auch wenn nun die halbe Welt «Marktversagen!» schreit, sollte man jedoch nicht vergessen, dass die (Fehl-)Regulierung, die ein solches Überborden der systemischen Risiken zuliess, wie auch die Greenspan'sche Liquiditätsschwemme der letzten Jahre vorwiegend ein Politikversagen ist.

Es braucht daher jetzt nicht in erster Linie weniger Marktwirtschaft und mehr staatliche Lenkung – kaum eine Branche ist bereits heute dermassen stark reguliert wie der Finanzsektor –, sondern eine bessere Regulierung, die die systemischen Risiken in Zukunft reduziert, ohne die Kapital- und Risikotransferfunktion des Finanzsystems abzuwürgen. Linke Polemik und Kapitalismusüberwindungsromantik werden uns dabei kaum weiterbringen. Gefragt sind ökonomischer Sachverstand und Augenmass. (Amen.)

6. Oktober 2008 · 19:01 ····

aufge-wacht

Potzdonner. Die Armeeführung wurde offenbar mit Vernunft aus- bzw. nachgerüstet:

Armee verzichtet auf Wachtdienst mit durchgeladener Waffe

In den ersten neun Monaten des Jahres wurden in der Armee im Rahmen des Wachtdienstes acht ungewollte Schussabgaben registriert, wie das VBS weiter schreibt. Dabei sei niemand gravierend verletzt worden.

Agenturmeldet NZZ Online

Erstaunlich, dass diese unsinnige Massnahme rückgängig gemacht wurde, noch ehe es zu einem Unfall mit Todesfolge gekommen ist. Bleibt zu hoffen, dass die neue Vernunft nicht allzu schnell wieder verschossen wird...

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28. September 2008 · 19:41 ····

frischluft

Endlich.

Rauchfrei

Da werden sich meine Lungenflügel aber freuen. Und auch mein Gemüt, wenn ich im Restaurant Speis und Trank fortan ohne Rauch in der Nase geniessen kann und meine Kleider nach dem Ausgang nicht mehr den Eindruck erwecken, ich hätte mich stundenlang in einem Aschenbecher gewälzt.

(Jaja, gewiss, die Initiative überzeugt nicht bis ins letzte Detail. Aber für mehr Annehmlich keit als der Status Quo sorgt sie allemal. :-))

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18. September 2008 · 23:44 ····

teilchenbeschleunigung zu hause

Jetzt ist der LHC schon eine Woche in Betrieb, und Genf ist noch immer nicht in einem Schwarzen Loch verschwunden. Helfen Sie den Quanten doch ein wenig auf die Sprünge, indem Sie das Cern beim Rechnen unterstützen. Vielleicht findet Ihr Computer ja ganz nebenbei eines dieser Elementar- oder Elementarstteilchen.

Peng!
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affaire publique ·· à faire public?

Das Geschreibsel eines in Zürich wohnhaften, berndeutsch- sprachigen Gelegenheitsbloggers so um die dreissig mit einer kaum zu leugnenden Affinität zu allerhand -ismen. Wer’s genauer wissen will, schreibt an juriÄTsarbachDOTcom.

 

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